Mühelos auffindbar, zugänglich und nutzbar: für alle bequemer und sicherer!

Barrierefreier-Zugang-zur-Toilette-durch-Erdarbeiten-und-Pflasterung

Dass Toiletten möglichst für alle Menschen mühelos auffindbar, zugänglich und nutzbar sind, dies liegt uns allen am Herzen. Schritt für Schritt arbeiten wir daran, lernen dazu und verbessern uns.


Folgend listen wir ein paar Aspekte, die für die Barrierefreiheit relevant oder unabdingbar sind.

Abb. : Eingang visuell und taktil gut wahrnehmbar; breiter, flacher Weg.

Barrierefrei oder rollstuhlgerecht? Größe der Kabine und Bewegungsflächen

Eine barrierefreie Kabine muss mindestens 120×175 cm (BxL Innenfertigmaß) groß sein.

Diese Größe ist für richtig viele Nutzende komfortabel, aber nicht für alle Rollstuhlfahrende ausreichend. Die Größe ergibt sich daraus, dass eine Bewegungsfläche von 120×120 cm innerhalb der Kabine notwendig ist, um sich bequem mit Gehhilfen (wie z.B. Gehstöcken oder Rollatoren) in der Kabine bewegen zu können.

Eine rollstuhlgerechte Kabine muss mindestens 150×220 cm (BxL Innenfertigmaß) groß sein.

Diese Größe ist für Rollstuhlfahrenden ohne Einschränkung geeignet. Die Größe ergibt sich daraus, dass eine Bewegungsfläche von 150×150 cm innerhalb der Kabine notwendig ist, um mit Standard-Rollstuhlmodellen im Klo sich bequem bewegen zu können. Dazu ist eine Fläche von 70×90 cm (TxB) neben der Toilettenschüssel nötig, um den seitlichen Wechsel zwischen Rollstuhl und Toiletten-Sitz zu ermöglichen.

Bei öffentlich zugänglichen Toiletten ist diese seitliche Fläche beidseitig gefordert: für Links- und Rechtshänder*innen.

Eine öffentlich-zugängliche Kabine muss daher mindestens 220×220 cm (Innenfertigmaß) groß sein.

Abb. von links nach rechts:
1. Barrierefreie Kabine: Bewegungsfläche 120×120 cm.

2. Rollstuhlgerechte Kabine und 3. öffentlich zugängliche rollstuhlgerechte Kabine: Bewegungsfläche 150×150 cm.
Ausstattungselementen (inkl. Waschbecken, wenn vorhanden) dürfen nicht in den Bewegungsflächen hineinragen!

Auffindbarkeit

Orientierung: Kontraste, Beleuchtung, Beschilderung

Orientierungshilfen sind sowohl für blinde und sehbehinderte Menschen als auch für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen essentiell. Ein intuitiv erkennbarer Standort, eine klare Wegführung und kurze Wege sind die effizientesten Maßnahmen, um die Toilette auffindbar zu machen.


Kontraste von Materialstrukturen und Farben sind nicht nur eine Frage der Ästhetik: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Orientierung im Raum. Ziel ist es, Bereiche und Objekte in der Toilette visuell (sehen) und taktil (fühlen) klar erkennbar zu gestalten. Hierfür ist eine ausreichende und angenehme Beleuchtung ohne Blendungen unabdingbar.
Bei öffentlich zugänglichen Toiletten:
Weg, Eingang, Tür und Beschilderung von öffentlich zugänglichen Toiletten müssen mit mindestens zwei Sinnen wahrgenommen werden: visuell und taktil ist die übliche Kombination. In der Kabine: Boden, Wände und Ausstattungselementen sollten sich voneinander optisch abheben. Solche Maßnahmen können auch für private Gartentoiletten umgesetzt werden, je nach den Bedürfnissen der Nutzenden.


  • Visuelle Kontraste: hell-dunkel
  • Taktile Kontraste: Absätze (z.B. Bordsteine) als Wegbegrenzung. Unterschiedliche, mit dem Gehstock wahrnehmbare Bodenstrukturen. Türblatt oder -rahmen mit der Wandoberfläche nicht bündig.

Abb. links: Eingang visuell und taktil gut wahrnehmbar; breiter, flacher Weg.
Abb. rechts: Simulation einer Sehbehinderung: Boden, Wand und Ausstattung der Kabine sind durch Hell-Dunkel-Kontraste visuell voneinander wahrnehmbar
.

Zugänglichkeit

Barrierefreie und rollstuhlgerechte Toiletten müssen ohne Stufen oder Schwellen erreichbar sein.

Gehwege und Bodenbeläge

  • Der Zugangsweg ist bauseits entsprechend zu gestalten. Eine ausreichende Breite und eine geeignete Neigung (3-6%) sind hier entscheidend. (Für öffentlich zugängliche Toiletten s. DIN 18040-1, Abschnitt 4.2.1. Gehwege)
  • Alle gewählten Bodenbeläge (im Freien und in der Kabine) müssen fest, eben, befahrbar und mindestens rutschhemmend (≥ R9 nach BGR 181) sein.

Bewegungsflächen

Aussen vor der Tür

Die Bewegungsfläche vor der Tür ist eben und höchstens für die Entwässerung geneigt.

In der Kabine vor dem Toilettensitz

Bewegungsflächen vor einer barrierefreien Toilette (mit dem Rollstuhl bedingt nutzbar): 120×120 cm

Bewegungsflächen vor einer rollstuhlgerechten Toilette (mit dem Rollstuhl uneingeschränkt nutzbar): 150×150 cm

Behindertengerechte-bzw-rollstuhlgerechte-Toilette-Bewegungsflaeche-150-x-150-cm-vor-der-Toilette

Wie ist es mit einer Rampe ?

Rampen für private Gartentoiletten können je nach den Bedürfnissen der Nutzer gestaltet werden. Rampen für öffentlich zugängliche Toiletten müssen unter anderem folgende Punkte erfüllen:

– Lichte Breite mindestens 120 cm
– ohne Quergefälle und mit maximal 6% Steigung https://rechneronline.de/steigung/
– am Anfang und am Ende der Rampe eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm zum wenden
– seitliche Aufkantungen (Radabweiser) von mindestens 10 cm
– Ergonomische Handläufe (Handlaufhöhe 85-90 cm) sind beidseitig vorzusehen


Rampen für öffentlich zugängliche Toiletten: Anforderungen
Mehr Hinweise zu Rampen auf https://nullbarriere.de/din18040-1-rampen.htm.

Erdarbeiten statt Rampe

Ziel: Toilette ist ebenerdig erreichbar & Kabine ist von Nässe geschützt.

Abb.: Schematische Darstellung einer ebenerdigen Lösung

Türen

Türen von barrierefreien und von rollstuhlgerechten Toiletten

  • haben keine Schwellen
  • öffnen nach außen und können im Notfall von außen entriegelt werden. So wird sichergestellt, dass ein umgestürzter Körper bei einem Unfall die Öffnung nicht blockiert.
  • sind leicht zu öffnen und sicher zu durchqueren (z.B. pendeln nicht unkontrollierbar).

Maße, Abstände und Höhe

  • Lichte Breite einer barrierefreien Tür: 80 cm, lichte Höhe 205 cm.
  • Lichte Breite einer rollstuhlgerechten Tür: 90 cm, lichte Höhe 205 cm.

Außerdem

  • Der Abstand zwischen Mittelachse Türdrücker oder -griff und dem nächsten Bauteil muss mindestens 50 cm betragen, damit Rollstuhlfahrende diese erreichen können.
  • Achsmaß Türdrücker oder -griff (Greifhöhe) 85 cm bis max. 105 cm über Oberkante Fertigfußboden.
  • Die Beschilderung muss 120-140 cm über der Oberkante vom Fertigfußboden liegen, damit die Beschriftung sowohl für sitzende als auch für stehende Personen lesbar ist.

Türdrücker und -griffe

Gut greifbar sind:
• Drücker: Bogen- oder U-förmig oder gerade, aber lang
• WC-Verriegelungen: groß dimensioniert, nicht glatt
Besonders praktisch sind:
• Vertikale Stangen für Schiebetüren, denn diese bieten beliebige Greifhöhe

Türbeschlag

Für öffentlich zugängliche Toiletten: evtl. Euro-Schlüssel

Nutzbarkeit

Sitz

Die geeignete Toilettenschüssel
Bei der Auswahl eines barrierefreien WCs können Sie durchaus auch auf ein Standard-Sanitärobjekt zurückgreifen. Für Menschen, die noch mobil sind, reicht im Allgemeinen ein 55 cm tiefes Standardmodell aus.

Für ein rollstuhlgerechtes WC wird eine Tiefe des WCs von 70 cm vorgeschrieben. In einigen Fällen kommen Rollstuhlnutzer jedoch genauso gut auch mit einer WC-Tiefe von 55 cm aus. Entscheiden Sie daher immer in Ihrem individuellen Fall und sitzen Sie am besten die verschiedenen Varianten Probe.

Quelle Text: pflege.de

Die geeignete Sitzhöhe ist auch nach Bedarf zu wählen. Manche Rollstuhlfahrende oder
Personen, die Schwierigkeiten beim Aufstehen haben, bevorzugen höhere Toilettensitze
(46-48 cm). Diese Höhe ist für öffentlich zugängliche Toiletten erforderlich.
Hinter dem Sitz ist bei rollstuhlgerechten Toiletten eine Rückenstütze (Tiefe=15 cm)
anzubringen.

• Rückenstütze 55 cm hinter der Vorderkante des WC
• Toilettendeckel als alleinige Rückenstütze ungeeignet
Entsorgungssystem und Streuautomatismen oder -behälter müssen von der sitzenden
Position aus erreichbar sein.

Griffe

Griffe müssen gut befestigt sein: Punktlast mind. 1 kN.
In einer barrierefreien Toilette müssen Griffe nicht von Anfang an eingebaut werden,
sondern können bei Bedarf nachgerüstet werden. Hierfür ist eine robuste
Wandkonstruktion und ein Mindestabstand von 20 cm (Fertigmaß) zwischen WC und
Wand vorzusehen. Besonders praktisch sind L-förmige Griffe neben dem WC.
Bei rollstuhlgerechten Toiletten müssen links und rechts klappbare Stützgriffe
angebracht werden. Abstand zwischen Griffen: 65-70 cm (Fertigmaß), Länge Griffen:
+15cm über Vorderkante Toilettenschüssel hinaus, Höhe Griffen: +28 cm über
Sitzhöhe.
Direkt neben dem WC muss eine Freifläche BxT=90×70 cm (Fertigmaß)
vorhanden sein. Von der anderen Seite ist für die Montage der Stützklappgriffe ein
Abstand von 30 cm zur Wand erforderlich. Bei öffentlich zugängliche Toiletten ist die
Fläche 90×70 cm auf beiden Seiten erforderlich.

Tipp: das Toilettenpapier am Griff befestigen, damit es für Rollstuhlfahrende leicht zu
erreichen ist.

Kleiderhaken und Ablageflächen

in mindestens zwei Höhen anbringen. Für Rollstuhlfahrer, Kinder und kleinwüchsige
Menschen: 90-140 cm. Die zweite Höhe ist nach Bedarf zu wählen.

Abfallbehälter

sind für Hygieneartikel, Medikamentenverpackungen und alles, was in der Toilettenschüssel nicht landen darf unabdingbar.
• dicht und selbst-schließend mit einer Hand zu bedienen.

Damit Rollstuhlfahrende feste Ausstattungselemente (wie z.B. Seifen- und Papierspender) erreichen können:

  • Bedienhöhe in der Regel 85 cm
  • Der Abstand zwischen dem Ausstattungselement und den Wandecken muss
    mindestens 50 cm betragen.

Sicherheit

Barrierefreie und rollstuhlgerechte Toiletten sind für alle sicherer zu benutzen:
ausreichende Beleuchtung, rutschfeste Böden, nach außen öffnende Türen, Haltegriffe…
All diese Maßnahmen sorgen für mehr Sicherheit. Bei öffentlich zugängliche Toiletten ist dazu eine Notrufanlage erforderlich.

Notrufanlage

• visuell herausstechend
• taktil erfassbar
• Notruf vom Toiletten-Becken aus sitzend auslösbar
• Notruf vom Boden aus liegend auslösbar

Hygiene

Mangelnde Hygiene stört nicht nur den reibungslosen Betrieb einer Trockentoilette: Sie stellt für viele, zum Beispiel für immungeschwächte Menschen, eine erhebliche Barriere dar. Ein Hygienekonzept sollte erstellt und bis ins Detail eingehalten werden. Wenn kein Waschbecken vorhanden ist, sollte ein Desinfektionsmittel angeboten werden.


Toilettenpapier gut erreichbar

  • ohne Veränderung der Sitzposition auf der Toilette ist Toilettenpapier leicht und sicher greifbar 
  • Toilettenpapierspender mit Blattstopper ermöglicht es, das Papier mit einer Hand abzureißen

Stützklappgriffe

Befestigung Stützklappgriffe: Punktlast mind. 1 kN.

Kleiderhaken und Ablageflächen

in mindestens zwei Höhen.

Abfallbehälter

dicht und selbst-schließend, mit einer Hand zu bedienen.

Notrufanlage

  • visuell herausstechend
  • taktil erfassbar
  • Notruf vom Toiletten-Becken aus sitzend auslösbar
  • Notruf vom Boden aus liegend auslösbar

Das Notrufsystem sollte einmal im Jahr technisch geprüft werden, damit die Funktion gewährleistet werden kann.

Dokumente zur Barrierefreiheit

DSFT Kriterien Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer nach R2 PDF 1 Seite
DIN 18040-1 und DIN 18040-2 * – Planungsgrundlagen des barrierefreien Bauens PDF 65 Seiten
Siehe Seite 27, 5.3.3 Toiletten
Toiletten für alle PDF 3 Seiten

Wichte Informationsquelle zur Barrierefreiheit: nullbarriere.de.
Siehe das Menü links mit den Links zu DIN 18040-1, DIN 18040-2 und DIN 18040-3.

Euroschlüssel

www.dereuroschluessel.de


Links und Zitate mit freundlicher Erlaubnis von www.pflege.de.

Erarbeitung der Anforderungen für Barrierefreiheit und Optimierungen für Menschen mit Behinderung: Eleftheria Xenikaki vom Verein www.kante.info. HERZLICHEN DANK !

Ergänzung mit Infos aus der Website www.barrierefrei-leben.de.