Wir listen hier die Eigenschaften einer Toilettenanlage auf, die für alle Nutzer gut auffindbar, zugänglich und bequem nutzbar ist.

Dass Toiletten möglichst für alle Menschen mühelos auffindbar, zugänglich und nutzbar sind, dies liegt uns allen am Herzen.
Folgend listen wir ein paar Aspekte auf, die für die Barrierefreiheit aber auch für die Sicherheit und Bequemlichkeit relevant oder unabdingbar sind.
Abb. : Eingang visuell und taktil gut wahrnehmbar; breiter, flacher Weg.Ordnungen und DIN zu öffentlich zugängliche Toiletten
ÖFFENTLICH ZUGÄNGLICHE TOILETTEN
Ob eine bauliche Anlage barrierefrei sein muss ergibt sich aus öffentlich-rechtlichen Vorschriften.
Öffentlich zugängliche Toilettenanlagen müssen barrierefrei sein. Das gilt für alle Toiletten, die dem allgemeinen Publikumsverkehr dienen – also öffentliche Toiletten und auch Haupttoiletten in privaten Betrieben (z. B. Biergärten).
Maßgeblich ist die DIN 18040-1.
Sie ist über die Verwaltungsvorschriften Technische Baubestimmungen (VV TB) in den meisten Bundesländern verbindlich.
Da die genauen Anforderungen von Land zu Land leicht abweichen können, empfehlen wir, die DIN 18040-1 vollständig anzuwenden. So ist die Toilette bundesweit nutzbar.
Zur DIN EN 16194:2012-05
Die DIN 18040-1 hat hinsichtlich der Barrierefreiheit von öffentlich zugänglichen Toilettenanlagen möglicherweise Vorrang, weil sie durch die VV TB „eingeführt“ und damit öffentlich-rechtlich verbindlich ist.
Eine Toilette ist „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar nach DIN 18040-1“, wenn der Toilettensitz beidseitig anfahrbar ist (für Links- und Rechtshänder).
Alternative: zwei Kabinen – eine von rechts und eine von links anfahrbar.
PRIVAT ZUGÄNGLICHE TOILETTEN
Für Toiletten in Wohnungen und Beherbergungsstätten gilt in der Regel die DIN 18040-2.
Zusätzliche Toiletten (z. B. Gartentoiletten) sind bauordnungsrechtlich nicht erfasst und müssen daher nicht barrierefrei sein. Hier kann der Bauherr selbst entscheiden.
Empfohlen wird:
- DIN 18040-2 → Basisstandard Barrierefrei
- DIN 18040-2-R → rollstuhlgerecht (uneingeschränkt)
nowato-Toiletten nach barrierefreien Standards
| Standard | Bedeutung | nowato Toiletten |
| Basisstandard Barrierefrei | barrierefrei und bedingt mit dem Rollstuhl nutzbar nach DIN 18040-2 | Modell WALD-barrierefrei Modell BUMPER Modell Kazuba |
| Rollstuhlgerecht DIN 18040-2-R (Wohnungen / privat) | barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar nach DIN 18040-2-R | DIN 18040-2 gilt für die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden mit Wohnungen und deren Außenanlagen, die der Erschließung und wohnbezogenen Nutzung dienen. |
| Rollstuhlgerecht DIN 18040-1 (öffentlich zugänglich) | barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar nach DIN 18040-1 | Modell KUBUS Modell MODO |
Größe und Bewegungsflächen einer barrierefreien / rollstuhlgerechten Toilettenkabine
1) Barrierefreie Kabine
2) Rollstuhlgerechte Kabine

3) Öffentlich zugängliche Toilette

Abb. 3 : öffentlich-zugängliche Kabine min. 220 x 220 cm
• Bewegungsfläche: 150 x 150 cm
• Tür: 90 cm Breite
• Fläche von 70 x 90 cm auf jeder Seite des Toilettensitzes



Abb. 4: Sitzhöhe, Stützklappgriffhöhe, Abstände zur Wand. Quelle: https://www.baulinks.de/webplugin/2007/1722.php4
Abb. 5: Ausstattungselemente (inkl. Waschbecken, wenn vorhanden) dürfen nicht in die Bewegungsflächen hineinragen!
Auffindbarkeit der Toilette und Orientierung
Klare Wegführung, kurze Wege
Orientierungshilfen sind sowohl für blinde und sehbehinderte Menschen als auch für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen essentiell. Ein intuitiv erkennbarer Standort, eine klare Wegführung und kurze Wege sind die effizientesten Maßnahmen, um die Toilette auffindbar zu machen.
Kontraste, Beleuchtung, Beschilderung
Kontraste von Materialstrukturen und Farben sind nicht nur eine Frage der Ästhetik: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Orientierung im Raum. Ziel ist es, Bereiche und Objekte in der Toilette visuell (sehen) und taktil (fühlen) klar erkennbar zu gestalten. Hierfür ist eine ausreichende und angenehme Beleuchtung ohne Blendungen unabdingbar.
Bei öffentlich zugänglichen Toiletten:
Weg, Eingang, Tür und Beschilderung von öffentlich zugänglichen Toiletten müssen mit mindestens zwei Sinnen wahrgenommen werden: visuell und taktil ist die übliche Kombination. In der Kabine: Boden, Wände und Ausstattungselemente sollten sich voneinander optisch abheben. Solche Maßnahmen können auch für private Gartentoiletten umgesetzt werden, je nach den Bedürfnissen der Nutzenden.


Abb. 6: Eingang visuell und taktil gut wahrnehmbar; breiter, flacher Weg.
Abb. 7: Simulation einer Sehbehinderung: Boden, Wand und Ausstattung der Kabine sind durch Hell-Dunkel-Kontraste visuell voneinander wahrnehmbar.
Zugänglichkeit der Toilette
Barrierefreie und rollstuhlgerechte Toiletten müssen ohne Stufen oder Schwellen erreichbar sein.
Gehwege und Bodenbeläge
- Der Zugangsweg ist bauseits entsprechend zu gestalten. Eine ausreichende Breite und eine geeignete Neigung (3-6%) sind hier entscheidend. (Für öffentlich zugängliche Toiletten s. DIN 18040-1, Abschnitt 4.2.1. Gehwege)
- Alle gewählten Bodenbeläge (im Freien und in der Kabine) müssen fest, eben, befahrbar und mindestens rutschhemmend sein.
• in der Kabine ≥ R9,
• im Freien ≥ R11,
• für Rampen ≥ R12,
nach BGR 181.
Bewegungsflächen, Tür und Griffe – Außen vor der Tür
Die Bewegungsfläche vor der Tür ist eben und höchstens für die Entwässerung geneigt.
1) Barrierefreie Toilette
2) Rollstuhlgerechte Toilette mit Drehtür

Quelle: nullbarriere.de, Türen
3) Rollstuhlgerechte Toilette mit Schiebetür

Quelle: nullbarriere.de, Türen
Wie ist es mit einer Rampe ?
Rampen für private Gartentoiletten können je nach den Bedürfnissen der Nutzer gestaltet werden. Rampen für öffentlich zugängliche Toiletten müssen unter anderem folgende Punkte erfüllen:
– Lichte Breite mindestens 120 cm
– ohne Quergefälle und mit maximal 6% Steigung https://rechneronline.de/steigung/
– am Anfang und am Ende der Rampe eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm zum wenden
– seitliche Aufkantungen (Radabweiser) von mindestens 10 cm
– Ergonomische, greifgünstige Handläufe sind beidseitig vorzusehen (Handlaufhöhe 85-90 cm).

Erdarbeiten statt Rampe
Ziel: Toilette ist ebenerdig erreichbar & Kabine ist von Nässe geschützt.

Das Regenwasser kann unter die Konstruktion oder in eine Rinne vor der Tür weg von der Konstruktion geleitet werden.
Ebenerdiges Bauen ohne entsprechende Holzschutzmaßnahmen kann zu Bauschäden führen ! Das Holz der Kabine soll vor Regenwasser durch eine durchdachte Installation geschützt werden.
Die klassischen Maßnahmen sind:
• sachgerechte Sockelgestaltung, insbesondere
Holzschutzbereich 15 cm über der Oberkante des Geländes.
Außerdem:
• Gefälle des Eingangsbereiches 2-2,5% zur Entwässerung – weg vom Gebäude -,
• Rinne vor der Tür,
• Tür auf wettergeschützter Seite anbringen, ggf. Überdachung der Tür.
Türen von barrierefreien und von rollstuhlgerechten Toiletten
- haben keine Schwellen
- öffnen nach außen und können im Notfall von außen entriegelt werden. So wird sichergestellt, dass ein umgestürzter Körper bei einem Unfall die Öffnung nicht blockiert.
- sind leicht zu öffnen und sicher zu durchqueren (z.B. pendeln nicht unkontrollierbar).
Maße, Abstände und Höhe
- Lichte Breite einer barrierefreienTür: mindestens 80 cm, lichte Höhe 205 cm.
- Lichte Breite einer rollstuhlgerechte Tür: mindestens 90 cm, lichte Höhe 205 cm.

Abb. 13: Lichte Breite einer Tür. Quelle: nullbarriere.de
Außerdem
- Der Abstand zwischen Mittelachse Türdrücker oder -griff und dem nächsten Bauteil muss mindestens 50 cm betragen, damit Rollstuhlfahrende den Türgriff erreichen können.
- Achsmaß Türdrücker oder -griff (Greifhöhe) 85 cm bis max. 105 cm über Oberkante Fertigfußboden.
- Die Beschilderung muss 120-140 cm über der Oberkante vom Fertigfußboden liegen, damit die Beschriftung sowohl für sitzende als auch für stehende Personen lesbar ist.


Quelle: https://www.stmb.bayern.de/assets/stmi/buw/baurechtundtechnik/planungsgrundlagen_barrierefreies_bauen.pdf
Nutzbarkeit der Toilette und der Kabine, barrierefrei und rollstuhlgerecht
Türdrücker und -griffe
Damit die Drückergarnituren / Griffe an der Tür gut greifbar ist:
• Drücker: Bogen- oder U-förmig oder gerade, aber lang
• bei manuell betätigten Schiebetüren: senkrechte Bügel oder vertikale Stangen, denn diese bieten beliebige Greifhöhe
• Greifbare Drehgriffe
• Tür-Verriegelungen: groß dimensioniert, nicht glatt
Türbeschlag
Für öffentlich zugängliche Toiletten: evtl. Euro-Schlüssel
Wandhaltegriffe

Quelle: EPH · Evidenzbasiertes Planungshandbuch Barrierefreiheit
Im Gegensatz zu den Stützklappgriffen macht die DIN 18040-1 keine genauen Vorgaben zu Wandhaltegriffen.
Für viele Menschen, die noch gehfähig sind, aber Schwierigkeiten beim Aufstehen haben, sind Winkelhaltegriffe oft die bessere Lösung.
Sie erleichtern das Hochziehen und das Halten des Gleichgewichts deutlich mehr als klappbare Griffe.Empfohlene Maße (angelehnt an ISO und DIN):
- Horizontaler Teil: 28 cm über der Sitzhöhe
- Vertikaler Teil: bis 170 cm über dem Fußboden
- 15 cm vor der Vorderkante des WCs
- 5 cm Abstand zur Wand
Griffe im 45°-Winkel sind ergonomisch ungünstig und rutschgefährlich.
EPH · Evidenzbasiertes Planungshandbuch Barrierefreiheit
Der geeignete Toilettensitz
Bei der Auswahl eines barrierefreien Toilettensitz können Sie durchaus auch auf ein Standard-Sanitärobjekt zurückgreifen. Für Menschen, die noch mobil sind, reicht im Allgemeinen ein 55 cm tiefes Standardmodell aus.
Für ein rollstuhlgerechtes Toilettensitz wird eine Tiefe des WCs von 70 cm vorgeschrieben. In einigen Fällen kommen Rollstuhlnutzer jedoch genauso gut auch mit einer Toilettensitz-Tiefe von 55 cm aus. Entscheiden Sie daher immer in Ihrem individuellen Fall und sitzen Sie am besten die verschiedenen Varianten Probe.
Quelle Text: pflege.deDie geeignete Sitzhöhe ist auch nach Bedarf zu wählen. Manche Rollstuhlfahrende oder
Personen, die Schwierigkeiten beim Aufstehen haben, bevorzugen höhere Toilettensitze
(46-48 cm). Diese Höhe ist für öffentlich zugängliche Toiletten erforderlich.Hinter dem Sitz ist bei rollstuhlgerechten Toiletten eine Rückenstütze (Tiefe=15 cm)
anzubringen.
• Rückenstütze 55 cm hinter der Vorderkante des Toilettensitzes
• Toilettendeckel als alleinige Rückenstütze ungeeignet
Entsorgungssystem und Streuautomatismen oder -behälter müssen von der sitzenden
Position aus erreichbar sein.
Griffe
Griffe müssen gut befestigt sein: Punktlast mind. 1 kN.1) In einer barrierefreien Toilette müssen Griffe nicht von Anfang an eingebaut werden,
sondern können bei Bedarf nachgerüstet werden. Hierfür ist eine robuste
Wandkonstruktion und ein Mindestabstand von 20 cm (Fertigmaß) zwischen Toilettensitz und
Wand vorzusehen.Besonders praktisch sind L-förmige Griffe neben dem WC.2) Bei rollstuhlgerechten Toiletten müssen links und rechts klappbare Stützgriffe
angebracht werden.
- Abstand zwischen Griffen: 65-70 cm (Fertigmaß),
- Länge Griffen: +15cm über Vorderkante Toilettensitz hinaus,
- Höhe Griffen: +28 cm über Sitzhöhe.
Direkt neben dem Toilettensitz muss eine Freifläche B x T = 90 x 70 cm (Fertigmaß)
vorhanden sein. Von der anderen Seite ist für die Montage der Stützklappgriffe ein
Abstand von 30 cm zur Wand erforderlich.
3) Bei öffentlich zugänglichen Toiletten ist die Fläche 90 x 70 cm auf beiden Seiten erforderlich.
Tipp: das Toilettenpapier am Griff befestigen, damit es für Rollstuhlfahrende leicht zu
erreichen ist.

Quelle: Deutsche BauZeitschrift
Kleiderhaken und Ablageflächen
in mindestens zwei Höhen anbringen.
Für Rollstuhlfahrer, Kinder und kleinwüchsige Menschen: 90-140 cm.
Die zweite Höhe ist nach Bedarf zu wählen.
Abfallbehälter
sind für Hygieneartikel, Medikamentenverpackungen und alles, was in der Toilettenschüssel nicht landen darf unabdingbar.
• dicht und selbst-schließend,
• mit einer Hand zu bedienen.
Seifen– und Papierspender
Damit Rollstuhlfahrende feste Ausstattungselemente wie z.B. Seifen- und Papierspender erreichen können:
- Bedienhöhe in der Regel 85 cm
Abstand zwischen dem Ausstattungselement und den Wandecken muss
mindestens 50 cm betragen: es ist der Platz vorne für die Beine. Die Hände sind 50 cm weiter hinten und eine Person im Rollstuhl hat nicht unbedingt die Möglichkeit den Arm weit nach vorne oder den Oberkörper nach vorne zu strecken.

Toilettenpapier gut erreichbar
- ohne Veränderung der Sitzposition auf der Toilette ist Toilettenpapier leicht und sicher greifbar
Toilettenpapierspender mit Blattstopper ermöglicht es, das Papier mit einer Hand abzureißen
Liege
Bietet eine Umkleidemöglichkeit, z.B. in Raststätten.
Maßen Liege 180 cm Länge, 90 cm Breite, 46-48 cm Höhe
Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Toilettenkabine
Barrierefreie und rollstuhlgerechte Toiletten sind für alle sicherer zu benutzen:
- ausreichende Beleuchtung,
- rutschfeste Böden,
- nach außen öffnende Türen,
- Haltegriffe…
All diese Maßnahmen sorgen für mehr Sicherheit.
Bei öffentlich zugängliche Toiletten ist dazu eine Notrufanlage erforderlich.
Notrufanlage
- visuell herausstechend / kontrastierend
- taktil erfassbar
- auslösbar:
- vom Toiletten-Becken aus sitzend
- vom Boden aus liegend
Das Notrufsystem sollte einmal im Jahr technisch geprüft werden, damit die Funktion gewährleistet werden kann.
Stützklappgriffe
Befestigung Stützklappgriffe: Punktlast mind. 1 kN.
Hygiene
Mangelnde Hygiene stört nicht nur den reibungslosen Betrieb einer Trockentoilette: Sie stellt für viele, zum Beispiel für immungeschwächte Menschen, eine erhebliche Barriere dar. Ein Hygienekonzept sollte erstellt und bis ins Detail eingehalten werden. Wenn kein Waschbecken vorhanden ist, sollte ein Desinfektionsmittel angeboten werden.
Dokumente zur Barrierefreiheit
➙ Siehe Seite 27, 5.3.3 Toiletten
Wichtige Informationsquelle zur Barrierefreiheit: nullbarriere.de.
➙ Siehe das Menü links mit den Links zu DIN 18040-1, DIN 18040-2 und DIN 18040-3.
Euroschlüssel
Das in dieser Webseite veröffentlicht Datenmaterial dient als Orientierungshilfe, hat keinen
Anspruch auf Vollständigkeit und ist mit keinerlei Gewährleistung oder Garantie
verbunden. Wir übernehmen infolgedessen keine Verantwortung für die Richtigkeit der
Angaben und werden keine daraus folgende oder sonstige Haftung übernehmen, die auf
irgendeine Art aus der Anwendung dieses Datenmaterials oder aus Teilen daraus entsteht.
DANKE !
Links und Zitate mit freundlicher Erlaubnis von pflege.de. Einige Informationen kommen aus der Website barrierefrei-leben.de und tolle Skizze und Graphiken aus nullbarriere.de und eph-barrierefreiheit.de.
HERZLICHEN DANK an Eleftheria Xenikaki vom Verein www.kante.info für den intensiven, bereichenden Austausch und die hilfreiche Hinweise zum barrierefreien Gestalten!
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